Gedenktage #01: 21. Februar – Tag der Muttersprache

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Es gibt Gedenk- und Feiertage für so ziemlich alles auf diesem Planeten. Viele davon erscheinen dem Durchschnittsbürger jedoch als, gelinde gesagt, merkwürdige Auswüchse eigentümlicher Enthausiasten. Der Tag der Muttersprache ist wahrscheinlich einer davon.
Ein unnötiger Tag, den sich verkopfte Kulturfreaks, Gutmenschen und Akademiker ausgedacht haben um auf ein irrelevantes Problem aufmerksam zu machen. Was hat denn das mit unserem Alltag zu tun? Man spricht seine Muttersprache und gut ist, das kann doch gar nicht aussterben!
Aber weit gefehlt, denn tatsächlich haben diese Kopfmenschen mit ihrer ach so ominösen Wissenschaft ziemlich eindrucksvolle Entwicklungen festgestellt. Je nach Definition und Zählung gibt es heute zirka sechstausend bis sechstausendfünfhundert lebendige Sprachen auf der Welt. Jedoch wird nach optimistischen Schätzungen in hundert Jahren die Hälfte davon ausgestorben sein. Pessimistische Schätzungen gehen gar von bis zu neunzig Prozent bis dahin verstorbener Sprachen aus.Allein in Europa stirbt wohl alle zwei Wochen eine Sprache.
Natürlich, bei solchen sprachwissenschaftlichen Aussagen werden gerne auch „Varianten“, wie zum Beispiel verschiedene Arten von Plattdeutsch teils als eigene Sprachen betrachtet, von denen man allgemein immer noch sagen würde, dass es halt anderes Deutsch ist. Sollte man jedoch mal in den Genuss kommen, jemanden der Platt spricht und einen urwüchsigen Bayern bei Kommunikationsversuchen zu beobachten, so wird man wahrscheinlich verstehen, dass an der Sprachwissenschaftlichen Sicht durchaus etwas dran ist. Und bei einer toten Sprache pro zwei vergangene Wochen fühlt sich das ganze zumindest für mich ein bisschen wie die fußballfeldweise Abholzung des Regenwaldes an. Das trifft vor allem zu, wenn man diese sechstausend und ein paar zerquetschte den paar Linguae francae gegenüberstellt.und sich klar macht, wie viele Sprachen so oder so bestenfalls die zweite Geige spielen in der Welt.
Vor diesem Hintergrund des Sprachensterbens bekommt auch die Ansicht, dass man eine Muttersprache einfach hat eine neue Tragweite, da sie ja quasi jeder Zeit Verloren gehen kann. Menschen fern der eigenen Heimat suchen in allem Möglichen nach ihr und finden sie selbstverständlich in den Einzelteilen ihrer eigenen Identität, in dem was sie geprägt hat. Was könnte prägender und mehr Teil unserer Identität sein, als die Sprache die wir nicht aktiv gelernt, sondern mit der Muttermilch aufgesaugt haben, die Sprache in der wir zu denken gelernt haben, die Sprache in der wir in der Regel träumen? Es ist doch selbstverständlich, dass das keiner verlieren will, dass man das an die eigenen Kinder weitergeben will und dass man sich in der Fremde freut, wenn man diesen kleinen Funken Identität mit jemandem teilen kann.
Darum ist Muttersprache wichtig und darum ist ein Gedenktag für sie wichtig. Unsere Sprache ist das wichtigste, was wir mit der Gesellschaft teilen, oft gar der kleinste gemeinsame Nenner und uns das bewusst zu machen mag uns helfen mehr Liebe zu ihr und mehr Verständnis für andere Menschen zu entwickeln.

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