Pornos und Essen – Es geht um Gelüste

foodpornPornografie ist jedem von uns ein Begriff, also nur vom Hörensagen, den Schweinkram guckt sich doch keiner an. Der Begriff Foodporn ist womöglich weniger bekannt, aber doch ziemlich selbsterklärend: wie Pornografie hat Foodporn die Absicht den Konsumenten zu erregen, nur eben nicht sexuell, sondern kulinarisch.
Ein großer Unterschied ist hier zweifelsohne die gesellschaftliche Akzeptanz. Während sich die Schmuddelbildchen und -filme wie gesagt keiner auch nur aus dem Augenwinkel angucken würde, sind Buchhandlungen und Zeitschriftenkioske randvoll mit teuren Hochglanzpublikationen zum Thema Essen, die statt in dunklen Ecken an möglichst prominenter Stelle platziert werden. Ebenso im Fernsehen, wo jene ungeguckten Machwerke nur spät in der Nacht über den Bildschirm flimmern, während, wann immer man den.TV zu wenigstens halbwegs gesellschaftsfähigen Zeiten einschaltet fast zwangsläufig bei einer Kochshow landet.
Warum dieser Unterschied? Geht es doch bei beidem um Erregung durch etwas, das man selbst nicht hat. Man sieht etwas unglaublich anregendes oder befriedigendes ohne es tatsächlich zu haben, lustvolle Laute lösen etwas in uns aus, unser Verlangen wird auf allen Kanälen angesprochen, außer auf denen, auf die es normalerweise ankommt. Darum werden die vorhandenen Reize auch extrem stark betont, alles ist perfekt ausgeleuchtet, die Farben sind schön intensiv, ein paar extreme Nahaufnhamen und einige „mh“s und „ah“s mehr als nötig, schon läuft das ganze.
Zwar mögen mit der Pornografie einhergehende autoerotische Handlungen weitere Sinnesiendrücke bescheren, was beim Foodporn schlicht nicht möglich ist, aber da keiner Pornografie konsumiert kann diese Theorie nicht bestätigt werden. Jedoch haben beide Formate neben der Erregung auch den Drang des Nachmachens im Blick, im Foodporn werden gar genaue Vorgaben für Zutaten und Zubereitungsweisen gegeben, während die Pornografie eher eine Inspirationsquelle darstellt. Die konkreten Tipps zum Sexualleben finden sich dafür meist in den Ratgeberseiten teurer Lifestylemagazine, wo sich auch gerne Ernährungstipps tummeln. Irgendwo schließt sich halt immer der Kreis.
Was beide „Porns“ voneinder trennt ist neben der Gesellschaftsfähigkeit natürlich der Jugendschutzgedanke. Während junge Geister vor möglicherweise verstörenden Eindrücken bewahrt werden müssen, wäre ein frühes Heranführen an Foodporn womöglich ein Lösungsansatz für die fortschreitende Junkfoodisierung und Verfettung der Gesellschaft. Wer lernt gutes Essen zu erkennen, zu schätzen und als Genuss zu verstehen, der stürzt sich vielleicht weniger auf den schnellen Hungerstiller im Vorbeigehen. Insofern ist die Welle an Kochshows, Essens- und Gesundheitsmagazinen, die gerade über uns hereinbricht ein zu begrüßendes Phänomen.Nur muss man sich vor Augen halten, dass das was uns Profis und Produzenten im schönsten Scheinwerferlicht präsentieren ist im echten Leben selten ganz so hübsch anzusehen und mit viel Schweiß verbunden. In dem Sinne: fröhliches Üben.

P.S.: Bei der “Recherche”, also während ich diesen Text schon schrieb, fiel mir auf, dass der unfassbar coole Anthony Bourdain in einer seiner Shows schon sowas gemacht  hat. Ganze zwei Mal schon… Hier die Links:

 

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