Sammlung möglicher Weltuntergänge #01

Die Welt brennt. Flammende Fenster in rußigen Fassaden, der Himmel schwarz-rot. Auf den Straßen Pfützen aus Sperma und Blut. Trotzdem tanzen die Menschen ausgelassen zu einer Musik die man nicht hören kann. Ich schreite unbeteiligt zwischen ihnen hindurch, in einer Hand ‘ne Kippe, in der anderen eine unbezahlbare Flasche Scotch. Vor mir ist ein Sarg aufgebahrt, ich weiß, dass er darin liegt.

Die Welt ist erstarrt. Tote Fenster in toten Fassaden, der Himmel grau in grau, in rußigen Pfützen schillert Benzin. Wenige Menschen sind auf den Straßen, in kleinen Gruppen stehen sie zusammen und flüstern. Zitternd bahne ich mir unsicheren Schrittes meinen Weg. Meine Arme habe ich gegen die Kälte um mich geschlungen. Vor mir in der Ferne steigt eine weitere Pilzwolke in den Himmel.

Die Welt eskaliert. Stroboskop flackert aus den Fenstern der hell erleuchteten Fassaden. Aus einem goldenen Himmel regnet es unablässig Champagner. Die Straßen voller Menschen, die Kelche gen Himmel strecken und sich im Takt einer alles übertönenden Swing-Musik wiegen. Ich stehe scheinbar unbeteiligt in einer Ecke, halte lässig eine Champagner-Schale zwischen gespreizten Fingern. Vor mir bereitet sich ein wahres Schauspiel.

Die Welt voller Zombies. Vernagelte Fenster verriegeln die Fassaden, auf den Straßen getrocknete Schlammpfützen. Die Wege menschenleer, nur Horden von Untoten die ziellos umher schlurfen. Ich stürme zwischen sie, in einer Hand eine Uzi, in der anderen ein Samuraischwert. Ich teile vor mir ein Meer toter Leiber.

Die Welt ist schön. Fenster weit offen in den sonnenbeschienenen Fassaden, ein blauer Himmel über schmelzendem Asphalt. Draußen pulsiert das Leben, Straßencafés und Biergärten prall gefüllt. Ich sitze drinnen, in einer Hand deinen Brief. Vor meinen Augen verschwimmen deine Abschiedsworte und dein kalter Körper in Tränen.

Der Mars schwebt rot vorm Fenster der Rakete. Die Metallhüllen und Glaskuppeln der Biosphären glänzen vor der Schwärze des Weltraums. Die anderen Passagiere sind noch in Kryostase. Ich starre auf den fremden Planeten und betaste die kalte Panzerglasscheibe. Ich könnte schwören zu spüren, wie hinter mir die Erde stirbt.

Sticker gegen Rechts 2015 – Ich bin auf Platz 5!

preview-brain

INnUP veranstaltet seit 2007 Designwettbewerbe für Sticker, meist mit politischem beziehungsweise gesellschaftlichem Hintergrund. Heute ging der sechste “Sticker gegen Rechts”-Wettbewerb zu Ende und ich war dabei.
Nachdem vor einer Woche nur noch die bestbewerteten 20 aus zirka 350 Beiträgen zur finalen Wahlrunde übrig blieben, war ich ziemlich happy, dass mein Beitrag noch dabei war. Ich hatte meinen Beitrag sehr früh eingereicht und war schon überrascht, dass sich Leute tatsächlich die Zeit genommen haben, bis ganz nach unten zu scrollen um sich überhaupt alles anzusehen. Und dann haben die noch für mich gevotet. Wahnsinn.
Und heute guck ich nach und bin tatsächlich nicht nur in den Top Ten, sondern schön in der Mitte, auf Platz 5. Gut, kein Gewinnerplatz, aber man ist das geil!! Hier noch etwas Hintergrund zu meinem Motiv

Spinnereien über die ich manchmal nachdenke #01

sprachliche spinnereien

Mal Hand auf’s Herz, hat jemand von euch schon einmal über folgende Dinge nachgedacht?

1. Bier könnte theoretisch ein Kompositum aus ‘bi’ und ‘er’ sein und wäre somit ein Begriff für einen männlichen bisexuellen.
2. Das Wort eingefleischt ist ein wunderbarer deutscher Ausdruck dafür, dass jemand die Inkarnation von etwas ist, könnte aber auch wunderbar auf jemanden angewandt werden, der sich zum Beispiel mit Mett eingerieben hat. Ähnlich verhält es sich bei bestuhlten Konzerten…
3. Das Verb heißt ‘stehlen’, aber das Nomen ‘Diebstahl’, dabei müsste es doch wohl ‘Stehlung’ heißen, sonst klingt das doch mehr wie das Metall eines Diebs. Was ist das überhaupt mit ‘Dieb’ und ‘stehlen’? Das Verb könnte doch auch ‘dieben’ sein…
4. Bei genderneutralen oder viel mehr genderneutralisierten Begriffen ist es in der Regel so, dass dem männlichen Begriff ein ‘(/)in(nen)’ angehängt wird um in weiblich zu machen, zum Beispiel: Glaser – Glaser’in’ → ‘Glaser/in(nen)’
4,5. Einem Begriff wird doch meistens einfach nur ein ‘er’ (zum Teil plus Bindepartikel und zum Teil minus Nominalendung) angehängt um daraus eine Berufsbezeichnung zu machen, zum Beispiel: Tischl’er’, Glas’er’, Schust’er’, Mal’er’, Dicht’er’ Wieso ersetzt man dieses ‘er’ nicht durch ‘sie’?
5. (Okay, das folgende ist ein gern genutztes Beispiel und deswegen vielleicht doch etwas bekannter:) eine Mädchenhandelsschule könnte ohne die korrekte Betonung genauso gut eine Schule für Mädchenhandel sein
6. ‘Merkwürdig’ ist ein Synonym für seltsam, wenn man es aber rein als Kompositum betrachtet, dann heißt es doch nur, dass etwas ‘würdig’ ist be- oder ge’merkt’ zu werden. Bei ‘fragwürdig’ ist es genauso, nur bei ‘denkwürdig’ ist die bekannte Bedeutung passend…

Ich denke über solche , ähnliche und noch viel mehr unnütze Sachen andauernd nach. Das macht mich weder klug, tiefgründig noch zu etwas besserem. Es macht mich nur zu einer Person wie mir, die über komische Sachen nachdenkt. Auch wenn das jetzt womöglich lustig zu lesen ist und euch leidlich gut unterhalten hat, bleibe ich trotzdem der, der ich bin: ein Mensch ohne Sinn und Ziel. Womöglich gar ein Loser… Aber das ist kein Selbstmitleid, einige meiner Helden sind Loser. Auch Loser können glücklich sein.

P.S.: Ja, ich weiß, meine Notierung hier ist nicht wissenschaftlich korrekt. Und sie ist vielleicht auch nicht perfekt, aber ich habe mich bemüht, sie möglichst verständlich hin zu kriegen.