Einfach mal im Raum bleiben, egal wer der Klügste ist

kluger raum

„Wenn Du der Klügste im Raum bist, dann bist Du im falschen Raum.
(If you’re the smartest one in the room, you’re in the wrong room.)”
– Richard Tirendi

Auch wenn kaum einer mit dem Urheber dieses Satzes etwas anfangen kann, ist dieser Satz doch mittlerweile so ziemlich jedem bekannt. Allein, er ist ziemlicher Schwachsinn. Klar, als Leitsatz einer von Selbstoptimierung getriebenen Gesellschaft ist er perfekt. Nur werden in genau dieser Gesellschaft auch die Rufe nach sozialem Engagement immer lauter und wenn ich nur nach immer der nächsten Elite schiele, was passiert dann mit denen unter mir? Und dann ist da noch ein gewisses Logikproblem: Wenn ich der Klügste bin, muss ich wohl den Raum verlassen, dann wird der Zweitklügsten plötzlich zum Klügsten und muss auch gehen und das immer so weiter, bis der am wenigsten kluge auf einmal allein und dadurch ja automatisch der Klügste im Raum ist. Wenn der dann auch geht, dann ist der Raum leer, aber vielleicht hatte der Raum ja einen wichtigen Zweck, der nun nicht mehr erfüllt werden kann. Wo gehen die Leute überhaupt hin, die den Raum verlassen? Gehen die alle einfach in den nächsten, weil der sieht dann nach kurzer Zeit doch wieder genau so aus, wie der vorherige. Oder splitten sie sich in verschiedene Räume auf? Gibt es endlos viele Räume oder werden leere einfach neu belegt von denen, die ihren Raum verlassen? Bildet sich dadurch ein Kreislauf, ein perpetuum mobile der ständigen Migration der Klügsten?
Wie definiert sich überhaupt Klugheit?

„“Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.”
– Albert Einstein

Wir sind unterschiedlich klug, unterschiedlich talentiert, unterschiedlich begeistert. Wir sollten uns einfach einen Raum suchen, in dem wir uns wohl fühlen. Gleichzeitig sollten wir uns dort aber nicht wie die Made im Speck eingraben, sondern auch einen Platz suchen, wo wir glauben etwas sinnvolles zu tun. Und sinnvoll erscheint mir vor allem, dass ich meine Klugheit nutze, um anderen zu helfen und ihre Klugheit zu nutzen um mir zu helfen. Dieser Kreislauf erscheint mir sinnvoller, als stur von Raum zu Raum zu hechten.
Wenn ich auf eine Party bin, verlasse ich ja auch nicht gleich fluchtartig den Raum, wenn dort ein Thema aufkommt, in dem ich kein Experte bin und suche mir das Zimmer mit der lietararischen Diskussionsgruppe. Ich bleibe in der Regel bei meinen Freunden und nehme aus dem Gespräch oft etwas mit, das ich so noch nicht gesehen hatte oder kann etwas beitragen, einfach weil ich mit unbedarftem Blick etwas anders sehe. Ich kann Ewigkeiten in einem Raum verbringen und durch den Wandel der Gesprächsthemen mal der Klügste, mal der Dümmste sein, ich bleibe doch immer im gleichen Raum mit der gleichen Gesellschaft. Natürlich profitiert jede Gesellschaft, sowie jedes Thema, von äußeren Eindrücken und Blickwinkeln, von daher ist ein gelegentlicher Raumwechsel durchaus zu begrüßen, hat aber nichts mit Klugheit zu tun. Alles was wir brauchen sind offene Gesellschaften, auch wenn mir das alles selber etwas rosarot mit dem Regenbogenpinsel gemalt erscheint.

Das hier ist ein Teil dessen, was ich in meinem bequemen Raum beitragen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.