Story: Harte Worte – oder: Die Asigkeit des Literaturpunks

Blut schmecken, Scherben essen, mittlerweile ziemlich billige Metaphern. Zu vielen Hardcoreschreiberlingen wurden durch Hunter S.Thompson, Brett Easton Ellis und Chuck Palahniuk Türen und Tore geöffnet. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, ich bin sogar sehr dafür, aber es gibt kaum noch gute Metaphern für mich, weil diese ganzen Literaturpunks das schon alles abgegrast haben. Dabei schmecke ich gerade wirklich Blut, es klebt mir am Rachen. Ich hatte noch nie in meinem Leben Nasenbluten, noch nie floss mir die rote Suppe aus den Nüstern, aber ich habe des öfteren blutverkrustete Popel und gerade fühlt es sich an als würde ein Teer aus Blut und Schnodder zäh und konzentriert von den Nebenhöhlen in meinen Mund und Hals hinunter fließen.
Ich trinke Whisky um den Geschmack weg zu bekommen und den Teer lösen und hinunterwürgen zu können. Doch es bringt nichts, verhaftet bleibt der Geschmack am Gaumen kleben und verdrängt alles, jedes Gefühl, selbst das beißen des phenoligen Alkohols auf Fassstärke. Nichts scheint noch etwas wert zu sein, nichts IST noch etwas wert, nur der Geschmack von Blut bleibt. Und das ist nicht mal eine Metapher, das ist die beschissene Wahrheit. Und das ist so traurig, es wäre eine gute Metapher, ist aber eine wirklich beschissene Wahrheit.

Story: Kainsmal

Meine Familie? Nun, sie ist alt. Sie ist älter als jede andere um genau zu sein. Sie geht zurück bis zum absoluten Nullpunkt der Menschheit, zumindest der väterliche Teil. Laut Bibel trifft das zwar eigentlich auf jeden zu, aber bei mir besonders. Ich weiss nicht wie vertraut du bist mit der Bibel und der christlichen Mythologie, aber es gibt etwas, das sich Kainsmal nennt. Also, Adam war der erste Mensch, er hatte zwei Söhne mit Eva, vor Eva gab es noch Lilith, aber das ist ein so düsteres Kapitel, dass nichtmal ich daran rühren mag. Jedenfalls waren diese zwei Söhne Kain und Abel, zwei sehr unterschiedliche Männer. In einem Streit um Gottes Gunst brachte Kain seinen Bruder um. Und da beginnt eigentlich die ganze Geschichte, auch wenn dieser Teil eher unbekannt ist. Denn Gott strafte Kain für seine Tat mit einer Strafe so unfassbar grausam, dass sie manchem auf den ersten Blick wie ein Geschenk erscheint, das Kainsmal. Weiterlesen…

Sammlung möglicher Weltuntergänge #01

Die Welt brennt. Flammende Fenster in rußigen Fassaden, der Himmel schwarz-rot. Auf den Straßen Pfützen aus Sperma und Blut. Trotzdem tanzen die Menschen ausgelassen zu einer Musik die man nicht hören kann. Ich schreite unbeteiligt zwischen ihnen hindurch, in einer Hand ‘ne Kippe, in der anderen eine unbezahlbare Flasche Scotch. Vor mir ist ein Sarg aufgebahrt, ich weiß, dass er darin liegt.

Die Welt ist erstarrt. Tote Fenster in toten Fassaden, der Himmel grau in grau, in rußigen Pfützen schillert Benzin. Wenige Menschen sind auf den Straßen, in kleinen Gruppen stehen sie zusammen und flüstern. Zitternd bahne ich mir unsicheren Schrittes meinen Weg. Meine Arme habe ich gegen die Kälte um mich geschlungen. Vor mir in der Ferne steigt eine weitere Pilzwolke in den Himmel.

Die Welt eskaliert. Stroboskop flackert aus den Fenstern der hell erleuchteten Fassaden. Aus einem goldenen Himmel regnet es unablässig Champagner. Die Straßen voller Menschen, die Kelche gen Himmel strecken und sich im Takt einer alles übertönenden Swing-Musik wiegen. Ich stehe scheinbar unbeteiligt in einer Ecke, halte lässig eine Champagner-Schale zwischen gespreizten Fingern. Vor mir bereitet sich ein wahres Schauspiel.

Die Welt voller Zombies. Vernagelte Fenster verriegeln die Fassaden, auf den Straßen getrocknete Schlammpfützen. Die Wege menschenleer, nur Horden von Untoten die ziellos umher schlurfen. Ich stürme zwischen sie, in einer Hand eine Uzi, in der anderen ein Samuraischwert. Ich teile vor mir ein Meer toter Leiber.

Die Welt ist schön. Fenster weit offen in den sonnenbeschienenen Fassaden, ein blauer Himmel über schmelzendem Asphalt. Draußen pulsiert das Leben, Straßencafés und Biergärten prall gefüllt. Ich sitze drinnen, in einer Hand deinen Brief. Vor meinen Augen verschwimmen deine Abschiedsworte und dein kalter Körper in Tränen.

Der Mars schwebt rot vorm Fenster der Rakete. Die Metallhüllen und Glaskuppeln der Biosphären glänzen vor der Schwärze des Weltraums. Die anderen Passagiere sind noch in Kryostase. Ich starre auf den fremden Planeten und betaste die kalte Panzerglasscheibe. Ich könnte schwören zu spüren, wie hinter mir die Erde stirbt.

Weltuntergangspartys 2015

-Nun Herr Tredesch, was ist es denn weswegen sie hier sind? Erzählen sie einfach frei von der Leber weg, keine Sorge das fällt alles unter die ärztliche Schweigepflicht.

„Also, ich organisiere Weltuntergangspartys, das war ursprünglich eine nette Abwechslung zu dem, womit ich eigentlich mein Geld verdiene. Sonst bin ich nämlich Organhändler und man braucht in so einem Beruf ja immer ein zweites Standbein zur Geldwäsche. Sie dürfen jetzt aber nicht denken ich wäre ein übler Gangster oder so, es ist halt ganz einfach ein Geschäft. Leute mit Geld können sich von denen ohne Geld einfach etwas mehr Leben kaufen und durch das bezahlte Geld , können sich die vorher Geldlosen irgendwie auch ein lebenswerteres Leben kaufen. Eine Win-Win-Situation. Gut, manchmal beschaffe ich auch die Organe von Toten, aber die stört das ja wohl nicht mehr. Also mir ist schon klar, dass einige Menschen Geschäftsmänner wie mich als Vorzeichen der Apokalypse oder sowas betrachten, aber sie als Psychologe haben doch bestimmt schon viel abgefucktere Scheiße gehört…Naja, egal.
Jedenfalls hat mich dieses Bild vom Vorzeichen der Apokalypse auf die Idee mit den Partys gebracht. Ich wurde ein echtes Zeichen für den Weltuntergang. Schließlich gibt es ja immer ein Datum, dass irgend so ein Nostradamus zum Ende des Planeten auserkoren hat. Und was sollte in ein besser Grund sein, zu feiern, als ob es kein Morgen gäbe, als wenn es angeblich tatsächlich kein Morgen mehr gibt? Aber damit begannen dann auch meine Probleme. Verstehen sie, diese Partys sind für mich mittlerweile nur noch Sammelbecken der Verzweiflung. All’ diese Unschönen, Ungefickten und Einsamen, die Hoffnungslosen, Gelangweilten und Partysüchtigen. Einfach ein Haufen von Menschen ohne Sinn, die sich mit ihrer Eintrittskarte gleich auch etwas Lebensinhalt kaufen wollen, obwohl sie doch alles haben. Als Veranstalter fühle ich mich da wirklich pervers. Ich fühle mich wie ein Zuhälter, oder wie die Nutte von der die sich Befriedigung kaufen. Das ist doch einfach ekelhaft.“

-Das ist für sie also ein Problem? Sie bereiten doch eigentlich den Menschen eine Freude, warum ekelt sie das so sehr?

„Das ist doch keine Freude, das ist stumpfe Vergnügungssucht! Sucht, verstehen sie?! Menschen, die alles haben mit einer unstillbaren Gier nach mehr!“

-Aber sie sind doch Geschäftsmann, sie handeln, wie sie sagten, mit Leben.

„Was hat das denn damit zu tun?“

-Nun…

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